Ab 1. Februar sind auf den Straßen in Gotha und im Landkreis neue Busse und neue Gesichter zu sehen. Einen wesentlichen Teil der fünf Stadtlinien in Gotha fährt dann die Fa. Regionalbus Arnstadt (RBA), die auch auf Routen im Osten und Norden des Landkreises im Regionalverkehr unterwegs sein wird. Weiterhin am Start sind die bekannten Unternehmen Wollschläger, Büchner, Gessert, Lorenz & Sohn, Herrmann und Salza Tours König.

Der neue Partner der Regionalen Verkehrsgemeinschaft Gotha (RVG) resultiert aus der europaweiten Ausschreibung vom Juli 2017. Damit wurden jene Teile des Stadt- wie Regionalverkehrs neu vergeben, die zuvor die Fa. Steinbrück fuhr. Die neuen Verträge sollten vom 1. Dezember 2017 bis 30. Juni 2019 gelten – also bis zum Ende des Geschäftsbetriebes der RVG. Vorgesehen war die Vergabe im September.
Daraus wurde aber nichts: Die Vergabekammer im Landesverwaltungsamt in Weimar musste sich mit der Ausschreibung befassen, nachdem Beteiligte dies beantragten. Diese Überprüfung zog sich bis in den Dezember hin. Die Vergabekammer stellte aber fest, dass Ausschreibung wie Vergabe rechtens war.
Demnach bekam die Bietergemeinschaft WoBüGeLo – der Zusammenschluss der Firmen Wollschläger, Büchner, Gessert sowie Lorenz & Söhne – den Zuschlag für zwei der sechs ausgeschriebenen Lose. Die verbleibenden vier Lose gingen an die RBA.
„Es gibt dadurch keine Veränderungen im Fahrplan. Wir bieten alle Leistungen wie bisher an“, versichert Uwe Szpöt, der Geschäftsführer und Verkehrsleiter der RVG. Wie üblich, werde man aber zum 1. April den Fahrplanwechsel bei der Deutschen Bahn und den regionalen Bahnanbietern berücksichtigen.
Der neue Partner RBA starte mit 21 Bussen. Davon sind 17 fabrikneu, die alle die Euro-6-Norm erfüllen. „Das kommt der Umwelt zugute, denn auch die Busse der anderen Unternehmen sind höchstens drei Jahre alt, haben teils ebenso Euro 6, aber mindestens Euro 5.“ Damit reagiert Szpöt auf kritische Nachfragen in den vergangenen Monaten in Sachen Umweltschutz.

Busse werden aufgerüstet

Derzeit werden die RBA-Busse mit dem rechnergestützten Betriebsleitsystem (RBL) ausgerüstet. „Das ist eine echte Herausforderung: Schließlich sollten wir ursprünglich drei Monate von der Vergabe im September bis zum Start im Dezember Zeit haben. Jetzt war erst kurz vor Weihnachten alles klar, weshalb wir bloß ein paar Wochen dafür haben.“
Und weil nicht nur Busse, sondern auch die künftigen Routen für RBA-Fahrer neu sind, gibt es ab 22. Januar und für zwei Wochen erneut „Doppelverkehr“. Drei Busse gehen auf Einweisungstour, bei der auch die Technik im Testbetrieb läuft. Dabei werden nicht nur das Kassensystem erklärt und ausprobiert. Die Fahrer lernen so auch das Haltestellennetz kennen. 509 betreibt die RVG, davon allein 157 in der Stadt Gotha.
Dazu fahren die drei „Fahrschulen“ den regulären Linien hinterher. Das betrifft allerdings nicht jede Tour, so dass es keinesfalls mit den Zuständen im vorigen Jahr zu vergleichen ist. Die Lehrfahrzeuge sind als „Sonderfahrten“ gekennzeichnet und nehmen keine Fahrgäste mit.
Nach wie vor ist die RVG in Insolvenz und wird durch Rechtanwalt Rolf Rombach verwaltet. Der äußerte sich zur aktuellen Situation: „Mit der Ausschreibung haben wir alle technischen und logistischen Voraussetzungen geschaffen, damit die Leistungen des öffentlichen Nahverkehrs wie bisher im vollen Umfang durch die RVG bis zum 30. Juni 2019 angeboten werden können.“
Allerdings sei dies finanziell nicht mit jenen Mittel abgesichert, die der Kreistag im Haushalt für 2018 für die RVG beschlossen habe: „Die vielen und langwierigen Baustellen im laufenden Jahr wie die Vollsperrungen der Gothaer Friedrichstraße von März bis Dezember, jene der Europakreuzung im Sommer oder die der Oberen Marktstraße in Uelleben in diesem und dem kommenden Jahr produzieren durch längere Umleitungsstrecken etc. erhebliche Zusatzkosten.“ Darüber müsse man reden und Lösungen finden.
Er bekräftigte noch einmal, dass kein Betriebsübergang von der RVG zur Nahverkehrsgesellschaft Gotha (NVG) geplant sei. Unbesehen davon liefen aber Sondierung zur Übernahme von Vermögen und Personal, damit die NVG am 1. Juli 2019 ihre Tätigkeit aufnehmen könne.