Ist Schwarzfahren kriminell oder nur ein ordnungswidriges Kavaliersdelikt? Nicht das erste Mal wurde dies kürzlich öffentlich diskutiert – selbst von der Bundespolitik.

Auch bei der RVG ist das „Erschleichen von Beförderungsleistungen“, wie das Schwarzfahren amtsdeutsch heißt, ein Ärgernis. Seit Jahresbeginn wurden ca. 50 Schwarzfahrer erwischt. Darunter waren etliche Wiederholungstäter, die deshalb eine Anzeige bekamen.

Zahlen aus der vergangenen Jahren belegen eine Zunahme: 2015 wurden 7.021 Euro erhöhtes Beförderungsentgelt erhoben. 2016 waren es schon 11.483 Euro. Dem standen 2015 Kosten für die Kontrollen von 13.500 Euro und 2016 von 15.300 Euro gegenüber.

Zahlen für 2017 liegen noch nicht vor: „Die Summen werden aber deutlich geringer ausfallen, weil wir während des Doppelverkehrs auf Kontrollen verzichteten.“ Das wäre aber wohl für einige das falsche Signal gewesen, resümiert RVG-Geschäftsführer Uwe Szpöt. Ab September 2017 wurde deshalb wieder genauer hingesehen. Mindestens zweimal im Monat werde seither kontrolliert. An solchen Tagen gehen durchschnittlich acht Schwarzfahrer ins Netz. Die „fischen“ Kontrolleure einer Erfurter Spezialfirma heraus, die auch für die Thüringer Waldbahn und Straßenbahn arbeitet.

Aber auch die Fahrerinnen und Fahrer seien noch einmal gebeten worden, ein Auge auf Fahrgäste und Fahrscheine zu haben. Man habe den Unternehmen freigestellt, die Busse mit Aufklebern „Einstieg nur beim Fahrer“, „Fahrausweis bitte unaufgefordert vorzeigen“ zu versehen. Das soll den Druck vom Personal nehmen und unnötige Diskussionen vermeiden – denn auch in Gotha mehrten sich die Fälle, dass Kontrolleure sowie Busfahrerinnen und -fahrer Anfeindungen erfahren, dabei „aufs Übelste beschimpft werden“ und sogar körperliche Gewalt angedroht werde.

Genauer hingeschaut werde auch bei Schülern, „weil wir den Eindruck haben, da werden besonders großzügig Regeln und geltendes Recht ausgelegt“.  Das Personal sei angewiesen, bei fehlender Schülerkarte die Mitnahme zu verwehren. „Es bleibt aber dabei, dass wir Grundschüler nicht an der Haltestelle zurücklassen“, so Szpöt. Darin sei man sich mit dem Schulverwaltungsamt einig. „Es soll allerdings eine freundliche Ermahnung geben mit der klaren Ansage, dass beim nächsten Mal keine Mitnahme erfolgt.“ Eine solche Standpauke führe gerade bei jüngeren Fahrgästen zum Erfolg, meint Szpöt.

Die Fahrerinnen und Fahrer seien zudem ermächtigt, manipulierte Fahrausweise einzuziehen sowie Name und Anschrift der Betreffenden abzufragen: „Die RVG erstattet in solchen Fällen grundsätzlich Strafanzeige. Das ist Urkundenfälschung. Obendrein wird dann auch das erhöhte Beförderungsentgelt fällig.“

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Über die Regionale Verkehrsgemeinschaft Gotha (RVG):
Die RVG ist mit der Gestaltung und Durchführung des Buslinienverkehrs im Landkreis Gotha betraut. Sie hat dafür Linienkonzessionen inne und vergibt Dienstleistungsaufträge an Verkehrsunternehmen, die dann den Linienverkehr absichern. Mehrheitsgesellschafter der RVG ist der Landkreis Gotha, der für den ÖPNV im Kreisgebiet, inklusive der Stadt Gotha, zuständig ist. Weitere Gesellschafter sind Verkehrsunternehmen der Region.

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Geschäftsführer Uwe Szpöt