3.52 Uhr begann heute für Knut Gräbedünkel (39) und seine Mannschaft von der Regionalbus Arnstadt GmbH (RBA) die wohl größte Herausforderung in der Firmengeschichte. Da fuhr der erste von 21 Bussen vom Hof. Die RBA übernahm auf fünf Stadt- und etlichen Regionallinien mit 32 Fahrerinnen und Fahrern den Dienst für die Regionale Verkehrsgemeinschaft Gotha (RVG).

Parallel dazu erkundeten auch die anderen bisherigen RVG-Partner Büchner, Gessert, Lorenz & Sohn und Wollschläger „Neuland“ – übernahmen den Linienverkehr entsprechend der Vergaben durch die europaweite Ausschreibung aus dem vorigen Jahr.

„Das war für alle eine echte Bewährungsprobe, weil es gleich von null auf hundert gehen musste“, beschreibt RVG-Geschäftsführer und Verkehrsleiter Uwe Szpöt die Umstände. „Wer öffentlichen Nahverkehr fährt, steht eben vom ersten Kilometer und der ersten Haltestelle, die man anfährt, unter besonderer Beobachtung.“ Kurz nach 18 Uhr ist er aber zufrieden mit dem ersten Tag in neuer Struktur: „Wir hatten auf der A-Linie zum Start und im nachmittäglichen Berufsverkehr einige Mal Verspätungen. Die Stadtlinien sind aber immer eine Herausforderung – umso mehr für jene Kolleginnen und Kollegen, die neu auf den Strecken sind. Sonst lief es bestens.“

RBA-Chef Gräbedünkel sieht es ähnlich: „Wir haben 40 neue Kolleginnen und Kollegen für unser Engagement in Gotha eingestellt. Weit über die Hälfte kennt sich schon ganz gut in Gotha und im Umland aus. Aber auch sie wie die Neulinge auf den Straßen hier haben in den letzten drei Wochen bei Einweisungsfahrten die Strecken lernen müssen.“ Er sei seit 3 Uhr in der neuen Einsatzzentrale im ehemaligen Kraftverkehr in der Schlegelstraße gewesen. Dank kollegialer Hilfe der anderen Unternehmen, „für die ich mich ausdrücklich bedanke“, konnten die RBA-Verantwortlichen auch mittels spezieller Technik in Echtzeit die eingesetzten Busse verfolgen.

Mit Blick auf die Verspätungen richtete Szpöt den Fokus aber auch auf die Verkehrssituation in Gotha: „Am Zentralen Omnibusbahnhof wurde die Vorfahrtsregelung zu unseren Ungunsten verändert. Dort steht ein Bus schnell mal 2, 3 Minuten, ehe er rauskommt.“ Auch die Strecke vom Hauptbahnhof in Richtung Europakreuzung sei extrem stausensibel – was nicht nur Busfahrerinnen und -fahrer bestätigen werden.

Gräbedünkel machte zudem auf einen weiteren Punkt aufmerksam: „Wir haben alles neue Busse und neue Technik, auch an der Kasse. Dazu kommt, dass heute der 1. des Monats war, also viele ihre Wochen- und Monatskarten im Bus lösten. Dabei sind die Stadtlinien sowieso schon stark frequentiert Das muss man als Fahrer erst einmal auf die Reihe bekommen. Ich weiß, wovon ich rede, habe selbst hinterm Lenkrad gesessen.“

Trotzdem spricht er von einer „Punktlandung“ und ist optimistisch, dass sich die Dinge schnell normalisieren. „Dieses Engagement hier fordert mich, meine Mannschaft wie alle anderen, die hier für die RVG fahren. Aber das ist zugleich auch etwas, was Spaß macht.“

Und in der Tat: Immerhin 1.000 km misst das Streckennetz der RVG, das mit 41 Linien bedient wird. An 509 Haltestellen steigen im Jahr mehr als 5,6 Mio. Fahrgäste aus und ein. Allein 1,45 Mio. davon setzen pro Jahr auf die fünf Stadtlinien in Gotha, deren Streckenlänge 55 km beträgt. Im Jahr kommen so gut 4,4 Mio. km zusammen.

Apropos Kilometer: Die 21 fabrikneuen Busse der RBA haben heute nach einem Tag zusammen ca. 5.200 km auf der Uhr. Das entspricht der Strecke Gotha – Gibraltar und zurück.